und wieder ein Stückchen mehr meine Stadt

als ich gestern meinen E-Mail-Posteingang öffnete, erlebte ich eine Überraschung: es lag nämlich eine für mich höchst unerwartete Mail darin - die Mieterzeitung meiner Wohnungsbaugesellschaft! So etwas gehört für mich normalerweise zu den dingen, die man im Briefkasten findet und schleunigst in den Müll wirft, weil der jeweilige vorleser / die jeweilige Vorleserin wahrhaftig genug wichtige Post mit einem durchzusprechen hat, für die man sich geduldig Zeit nehmen und die man gewissenhaft beantworten muß. als “guter Blinder” lernt man entweder, sich sehr straff zu organisieren, oder es bleibt ziemlich viel auf der Strecke und es kann auch schon mal teuer werden.

So eine Post hatte ich demzufolge alsoh noch nie gelesen. jetzt bot sich mir die Chance, einmal darin zu schmökern.

Was erwartete ich eigentlich von einer Mieterzeitung? ich merkte, daß ich überhaupt keine Ahnung hatte. Vielleicht würde dort über neue Renovierungsmaßnahmen informiert? Hm, so ein richtig klares Bild bekam ich nicht. Deshalb machte ich die mail einfach auf.

Im Grunde war es wirklich nichts besonderes, was dort zu lesen war, aber einiges überraschte mich doch. Eine Mitarbeiterin wurde da vorgestellt, die seit 2008 als telephonistin arbeitete: der Lebenslauf war im Grunde das, was eine Arbeitsagentur daraus macht, wenn sie jemanden vermitteln will: hat im einzelhandel auf den verschiedensten Gebieten gearbeitet - zwischen den Zeilen ist klar, daß sie Ware eingeräumt, Kasse gemacht, ‘Schleppdienste übernommen hat, eine Verkäuferin eben, ein “Mädchen für alles”. Im Lebenslauf wird daraus eine abwechslungsreiche Tätigkeit, bei der man mit vielen menschen zusammen kommt, weshalb sie für den Job bei der Wohnungsbaugesellschaft prädestiniert war… “sie sei gern unter menschen” und “findet ihren Arbeitsplatz abwechslungsreich”, erfahren wir. Dann noch, daß sie eine Weile aussetzen mußte, weil sie Mutter wurde, daß ihr Mann in dieser Zeit half, die Familie über Wasser zu halten.

Die Informationen sind nicht so wesentlich, aber der Ton ist familiär, offenbar gibt es immer mal wieder Porträts von mitarbeiterInnen. Das wußte ich nicht. so persönlich hatte ich mir das nicht vorgestellt.

Dann gibt es da noch 2 Artikel zum thema Stromverbrauch: Der eine beschreibt, welche maßnahmen die Stadt während der letzten 10 jahre eingeleitet hat, um auf erneuerbare und umweltfreundliche Energien umzusteigen. Der zweite beinhaltet einige nützliche tipps, wie jeder im haushalt Strom sparen kann. Wirklich wie eine kleine Zeitung.

Wo in nächster Zukunft gebaut werden wird, erfahre ich auch noch, und was das schätzungsweise kosten wird… ich schüttele ein wenig den Kopf über die neuesten vorhaben und frage mich, ob ich sie wirklich für notwendig oder für Geldverschwendung halte… Und sind die Kosten wohl richtig angegeben? Irgendwie Stammtischgedanken, und im Grunde ist die kleine Zeitung wirklich kein machwerk für die Ewigkeit. Aber darum geht es auch nicht: ohne sie zu kennen, hätte ich nicht über zukünftige Bauvorhaben in meiner eigenen Stadt den Kopf schütteln können - ich wüßte einfach nichts davon. Einen neuen Pflegedienst wird es geben, den die Wohnungsbaugesellschaft unterstützt! Fein! Wenn ich das nächste mal bei meinen tätigkeiten im marburger Tauschring alte Menschen treffe, die nach so etwas suchen, kann ich ihnen einen Tipp geben. Das erscheint mir plötzlich unsagbar wichtig und wertvoll, doch im Grunde ist es nur das, was jeder sehende ganz selbstverständlich kann. Aber für mich ist das ein Stückchen mehr “meine Stadt”. ich werde durch die Uferstraße laufen und wissen, was aus dem Gebäude wird, aus dem unsere Arbeitsagentur kürzlich ausgezogen ist. Ich kann im hausflur über dieselben Dinge reden wie meine nachbarn, die ihre Mieterzeitung aus dem Briefkasten holen.

Ich gebe zu, ich schreibe über eine winzige Kleinigkeit, aber meine Stadt ist - wie jede Stadt voll davon:

in der Bahn steht über dem Waschbecken “kein Trinkwasser”. wäre nie darauf gekommen, daß das da steht! Und was steht auf einer Milchtüte geschrieben außer, daß Milch drinnen ist und vielleicht, welchen Fettgehalt sie hat? womit sind die Werbetafeln im Bus beschriftet? Steht mehr auf einem Preisschild als nur eine Zahl? Was ist ein Strichcode? Was genau steht auf meinem Krankenkassenkärtchen und wie viel paßt wohl auf so ein winziges Wäsche-Ettikett? Mit was für aufdrucken auf den T-Shirts laufen die Leute so rum? Ok, das wissen sie glaub ich oft selber nicht! Ich weiß es aber gern!

Meine Welt ist voller Dinge, die für mich genauso unsichtbar sind wie Bakterien. Und genausowenig vermisse ich sie also natürlich auch meistens. Aber manchmal ist ein Mikroskop doch etwas sinnvolles, ist es toll, wenn dinge plötzlich sichtbar werden: In Heidelberg bei der aufführung einer Oper mit audiodeskription, also einer Handlungsbeschreibung per Kopfhörer für blinde Menschen - kriege ich eine Theaterkarte in die hand gedrückt, auf der durch ein spezielles Verfahren parallel zur “Schwarzschrift”, wie viele Blinde den “Normalen” Druck nennen, auch in Punktschrift so gut wie alles aufgedruckt ist: der Regisseur, das Ensemble, alles, was dort eben so draufsteht. Was für eine wunderbare Erfahrung!

Im Internet gibt es Services mit dem kompletten Text der Beipackzettel von Medikamenten. Wie herrlich selbstbestimmt ich plötzlich darüber entscheiden kann, was ich einnnehmen möchte! Und nun diese kleine, unscheinbare Mieterzeitung, aber für mich ist sie wieder ein Stückchen mehr “meine Stadt”.

Und sollten sie Ideen haben, wie man “meine Stadt” noch größer machen kann und nicht wissen, wie man sie umsetzen könnte, fragen sie einfach. Es leben noch viele Menschen hier, die zwar generell keine Bakterien vermissen, ein Mikroskop aber dennoch gelegentlich äußerst faszinierend finden!

… wie es mit meinem schreiben so weiterging

Drei Monate ist es nun schon wieder her, daß ich eine konkrete Idee hatte, um endlich einmal wieder etwas schriftstellerisches auf die Reihe zu kriegen. Nachlesen könnt Ihr meine Gedanken dazu im Beitrag “Juhuh, ich schreibe wieder”…

Wenn ich nun Bilanz ziehe, dann muß ich leider sagen, daß erneut nichts daraus geworden ist. Und das liegt vor allem am Setzen der Prioritäten in meinem Leben. Ich frage mich: Kann es überhaupt zu etwas führen, das schreiben nur als Hobby zu betreiben? Es geht einfach nicht vorwärts, selbst wenn die Ideen immer noch klar und frisch und attraktiv sind. Wie gehen die SchreiberInnen unter Euch das an? Wie motiviert, wie strukturiert Ihr Euch? Räumt Ihr Euch bestimmte Zeiten des Tages für das schreiben ein oder verlaßt Ihr Euch da eher auf Eure Intuition? Wie sollte man es angehen, wenn man es wirklich ernst damit meint? Wenn ich mit diesen Gedanken fertig bin und einige Anregungen bearbeitet habe, dann muß ich für mich selbst estlegen, wie ernst ich es wirklich meine und was ich tun muß, um es auch genauso ernsthaft zu betreiben, sollte ich zu dem Schluß kommen, daß es mehr als ein Hobby werden soll. Ich bin für jede Anregung dankbar!

Ich merke auch immer wieder, daß ich, zum Teil durch meine Blindheit, von einigem abgeschnitten bin, das andere AutorInnen vielleicht nutzen: zwar kann ich einige ihrer Foren sogar theoretisch benutzen, brauche aber, um mich mit der Sprachausgabe durch alle Beiträge hindurchzuwühlen, mindestens dreimal so viel Zeit, sodaß ich Lust und Nerven dabei verliere. Es wird so viel und an allen Ecken über “social networking” im Internet geschrieben, daß ich manchmal wirklich fast den Mut verliere. Gibt es denn wirklich gar keine anderen Möglichkeiten mehr zum austausch, einfach von Mensch zu Mensch? Oder kenne ich sie nur nicht! Netzwerke sind ja auf jeden Fall etwas schönes! Wer wurschtelt schon gern für sich allein? Aber wie ist das heute ohne Computer überhaupt noch zu bewerkstelligen?

Das sind die Gedanken, die mich derzeit umtreiben, und ich hoffe, daß mir jemand von Euch weiterhelfen kann und möchte. anregungen und Kritik an meinen Ansätzen sind mehr als willkommen! Natürlich schriftlich in diesem Blog, aber ich hoffe für die Zukunft ernsthaft, ein paar Kontakte zu knüpfen, die dann auch eine Stimme bekommen. Das würde echt gut tun.

Sehnsüchtig erwartet und mit Sehnsucht gehört - Popchorn live

Leute, die mich kennen, wissen es vielleicht: Ich bin absolut keine Vereinsmeierin. Ich liebe ja Gedränge, abr ich mißtraue allzuoft zu viel Zusammengehörigkeit. anders war und ist das mit Popchorn - Popchorn, dem Pop- und gospelchor aus der Metropole Klein-Winternheim bei mainz. von der ersten Minute an war das mein chor und ist es bis heute geblieben, wenn ich auch leider mittlerweile nur noch ein Ehrenpopchorn, ein E-Pop, bin. Denn zwischen mainz und Marburg können leider Welten liegen, wenn man viel zu tun hat und es weder schafft, regelmäßig jeden Donnerstag hinzufahren, geschweigedenn während der Woche so intensiv zu proben, wie dieser Chor es verdient hätte. Doch ich fühle noch immer eine Art Sehnsucht und Heimweh, wann immer der chor irgendwo auftritt, und sitze ich im PUblikum, muß ich mich unglaublich beherrschen, nicht auf die Bühne zu springen. Schließlich ist es doch *mein* chor!

Dabei bin ich eigentlich wie die Jungfrau zum Kind zu Popchorn gekommen, denn Gospel war sicherlich nicht die Musikrichtung, die ich mir an aller erster Stelle ausgesucht hätte, und das ist bis heute so geblieben. ich mochte schon immer die Popseite lieber als die gospelseite. Und doch kam ich durch einen klassenkameraden während meiner damaligen ausbildung ausgerechnet in diesen Chor, und das war das schönste, das ich über die zeit meiner ausbildung sagen kann. Der Rest ist Schweigen… Vielleicht mal einen anderen Blogeintrag wert…

Langer Rede kurzer Sinn: ich bin leider nicht mehr aktiv im chor, verfolge aber alles, was damit zusammenhängt, und deshalb wußte ich natürlich, daß im November letzten jahres die erste Live-DVD von Popchorn herausgekommen war. Weil ich diese aber mit einer chorfreundin zusammen hören wollte, mußte ich die schier unfaßbare Geduld aufbringen und bis vor 2 Wochen warten, bis es dann endlich so weit war. Und das Ergebnis war so überwältigend, daß ich heute einfach endlich mal darüber bloggen muß!

Ich muß gestehen, daß ich mit offenem Mund und ausgesprochen fassungslos vor der DVD stand, dabei hätte ich es wissen müssen: am letzten der drei Abende zu ihrem (unserem) 15. Jubliläum durfte ich bereits als Zuhörerin feststellen und genießen, was intensivste proben und aufmerksame, professionelle Stimm- und Atembildung aus meinem chor gemacht hatten, seit ich vor eineinhalb jahren “die Waffen strecken” mußte. ich habe noch keinen chor kennengelernt seither, in dem man schon beim Einsingen so viele nützliche Tipps zu Atem und Gesang bekommen kann und wo ihm überhaupt so viel Raum gegeben wird. Popchorn-chorleiter Hajo Schöne und seine Frau Silke, die in Einzelproben die Männer betreut, überlassen da nichts dem Zufall!

Ich hätte es also wissen müssen, denn schon während dieses Konzertes war ich absolut hin und weg: Nicht nur vom Gesang und der Band, sondern auch von der Auswahl der Stücke, die wieder etwas mehr Pop-Elemente enthielt als während der letzten Jahre, obwohl Popchorn diesmal einen absolut genialen Gospelsänger zu Gast hatten, der uns schon auf unserer Weihnachts-Cd “Breath of Heaven” unterstützt hatte: David Thomas.
doch trotz dieses vorwissens schlug die DVD ein wie eine Bombe. Ich kann nur jedem, auch wenn er nicht von sich behaupten kann, ein Fan christlicher Musik zu sein, die DVD ans Herz legen. Wenn 130 Leute in einem Chor singen, wo alles stimmt, dann ist das ein echtes Ereignis. Und viele unserer SolistInnen haben glaube ich echt noch ne Karriere vor sich, wenn sie das wirklich wünschen sollten. Und dann natürlich unsere Leib- und magenband, die uns schon öfter zu wichtigen Konzerten begleitet hat: Die Band um den Schweizer Keyboarder und Produzenten David Plüss, dem man mit der definitiv freundlichsten Stimme, die ich kenne. :-) Dazu andreas Klein, der Popchorn schon immer zur Seite stand, auch wenn es “nur” um kleinere Konzerte ging und Simon Zimbado an Schlagzeug und Percussion, auch immer dabei, wann immer ein Musiker gebraucht wurde. Ein echter Genuß und absolut professionell. so habe ich Popchorn noch nie gehört wie auf dieser DVD.

die auswahl der stücke reicht von afrikanischen oder afrikanisch beeinflußten Stücken, zum Teil aus “KÖnig der Löwen” oder anderen filmen, über Klassiker wie “it’s raining men”, “lean on me” oder “Unchain my heart” bis hin zu zum Teil bekannten, zum Teil recht unbekannten Gospelsongs. Und dazwischen liegt noch so einiges. Vom “absoluten Brett” bis zur “Mörderballade” ist alles vertreten: Peter Gabriel steht neben Gloria Estefan, die Wise Guys neben Queen. Und bei den Gospels gibt es erfreulich wenige “Worshipping-songs”, wie ich sie immer nenne, diese total charismatischen Lieder, in denen es darum geht, daß ohne Gott zu loben eigentlich ein jeder Tag ein verlorener Tag ist… Und ich verzeihe ihnen sogar, daß sie bei Leonard cohens “Halleluja” die weltlichste Strophe weggelassen haben… ich nehme mal an, sie kannten sie nicht

Insgesamt jedenfalls eine absolut runde und mitreißende Sache, und, wie ich finde, in der gospelchorlandschaft und auch unter den Popchören etwas besonderes, weil eben beides miteinannder vereint wird, und so ist Popchorn weder eine schlechte Kopie klassischer gospelchöre noch einer der vielen “Yesterday”-singenden Wanderchöre, die es mittlerweile so gibt, wobei ich gegen sie nichts sagen will. Sie können enorm viel Spaß und Freude verbreiten. Aber Popchorn paßt einfach in keine dieser Kategorien und bleibt daher etwas besonderes, und das nicht nur, weil es mein persönlicher Lieblingschor ist. :-)

Zur eigentlichen Konzert-DVD, die eine stattliche Länge von 163 Minuten hat, gibt es auf einer 2. DVD dann noch Zusatzmaterial, zum Beispiel die Beiträge einer sog. Grußbox”, in der Fans dem chor zum 15. gratulieren oder Grüße loswerden konnten. Ein schönes Geschenk vom Chor an seine Fans, ansonsten aber eher schwierige Kost, finde ich. Und das gilt auch für die Grußbotschaften der Chormitglieder selbst. Und die sollten an Kameras gewöhnt sein. Da sich erheblich mehr frauen als Männer an der grußbox beteiligt haben, muß man leider sagen, daß Dreiviertel der akustischen Seite der botschaften aus Gegiggel bestehen. Ich wünschte, ich müßte das nicht sagen, denn ich bin eine Frau und mag sie daher sehr… :-) Das finde ich superschade und möchte den Frauen so gern zurufen: Macht doch nicht immer auch die besten Beiträge kaputt, in dem ihr Euch verhaltet, als fändet Ihr euch selbst lächerlich. Das habt Ihr nicht nötig, und es schmälert entschieden den Genuß der ZuschauerInnen.

Schön sind dann wieder ein überraschender Grußbeitrag der Band und das “making of”, das sehr ansprechend gestaltet ist.

Bestellen kann man dieses herzerwärmende Produkt unter www.popchorn.de. Leider gibt es - warum weiß ich nicht - keine Möglichkeit, auf der Seite hineinzuhören. ich hoffe, mein guter name genügt… :-)

Nach bisher 4 Cds, auf deren beiden letzteren ich die ehre hatte, mitwirken zu dürfen, wurde es jedenfalls definitiv zeit für eine Live-DVD! Und da ist sie nun! Viel Spaß allen, die sie sich anhören möchten. Und morgen, am Sonntag, dem 14. März zwischen 22:00 Uhr und 00:00 Uhr in der Sendung “Candlelight” auf www.ohrfunk.de habt Ihr Gelegenheit, zumindest die balladigen Sachen schon einmal zu hören. ich würde mich freuen, wenn Ihr einschaltet!

Jetzt kommt die stille zeit

Lange genug hat es ja gedauert, aber jetzt zieht auch bei uns die Stille endlich ein. Der Schnee des Wochenendes war der erste Vorbote. Er deckte alles zu, machte alles leise, während wir, wie mein liebster bereits in seinem Blog unter http://bertrams.klangoblog.net beschrieben hat, mit unseren Freunden gemeinsam unser jahresfest begingen, nicht ganz so leise und wie immer Weihnachten und Silvester sozusagen an einem Tag. für uns hat das neue jahr schon begonnen.

Aber draußen wurde die Welt leiser und weiß, und jetzt, wo alle Freunde zu ihren Familien gefahren sind, die sich natürlich nicht an unseren Kalender halten, zieht endlich die von mir so sehr ersehnte Stille ein. Seit einer Woche habe ich ja im Grunde schon Urlaub von unserem Internetradiosender www.ohrfunk.de, habe alle Termine mit Menschen vom marburger Tauschring abgesagt und mich ganz auf innere Einkehr und pure Entspannung eingepegelt. Aber bislang hatte das noch nicht gelingen wollen. Zum einen, weil die vorbereitung des jahresfestes diesmal bei mir lag (wir wechseln da turnusmäßig ab), zum anderen aber auch, weil ich einfach nicht zur Ruhe kam. So viele dinge, die in meiner Psychotherapie mit Dr. G. nur angerissen werden konnten und jetzt auf ihre Verarbeitung warten. Aber wie viel erledigt sich doch von allein in der Stille! Das erinnert mich manchmal an di Heinzelmännchen zu Köln: wenn es nur still ist, geraten die Assoziationen und Gedanken, die hilfreichen LIeder und nächtlichen Träume von ganz allein in Bewegung. Plötzlich werden Herz und Seele leichter, ohne daß man immer ganz genau erklären können muß, wieso das eigentlich so ist. Nicht nur unser Körper, der so viele, viele jahre funktioniert, ist ein Wunderwerk - unsere Psyche ist es auch! die Zeit für aktives an mir arbeiten wird auch wieder kommmen, abr sie ist nicht jetzt.

Und das feierliche kommt auch unweigerlich wieder zu mir zurück. Es ist nicht der Gedanke an die Geburt Jesu, der mich beschäftigt, aber eine spirituelle Atempause ist Weihnachten trotzdem für mich: stille Häuser, Weihnachtslieder und blockflöte übende Kinder aus den Fenstern, Düfte nach Schnee und Kälte und dem Wald, der fast vor unserer tür liegt… Winter! Wie herrlich! Vielleicht gehe ich an Heiligabend, also *morgen* schon - was für ein Gedanke - sogar in die Kirche, vor allem der Musik wegen, muß ich allerdings sagen. vielleicht mit einer Freundin und ihren Kindern in den Kindergottesdienst, vielleicht um 22:00 Uhr ganz allein in die kalte Nacht, denn meinen süßen Lieblingsatheisten werde ich wohl schwerlich überreden können…

Es mutet völllig bescheurt an, aber wir haben erst seit gestern einen Adventskranz! Bis dahin hatten wir nur einen Türchenkalender für jeden, an dem wir täglich gemeinsam unsere Phantasie ausprobieren, denn zu fühlen ist gar nicht immer so leicht, um was es sich dahinter handelt! Probiert’s mal nächstes Jahr, ohne zu gucken. ist echt spannend!

Aber einen Kranz haben wir uns aus den verschiedensten Gründen diesmal nicht geleistet, und als es gegangen wäre, gab es schon keine mehr. Nun hat unsere Freundin Netti uns ihren gegeben, der verwaist in ihrer Wohnung geblieben wäre, während sie bei der Familie ist. Er nadelt herrlich und duftet dementsprechend, und eine seiner Kerzen habe ich schon durch wilde Kokelei mit Tannennadeln zerstört. die muß ich gleich noch auswechseln. Aber es riecht einfach zu gut, wenn die trockenen nadeln verbrennen!

Stille ist jetzt eingekehrt, und hoffentlich wird sie bis zum Ende des Ohrfunkurlaubs am 04. Januar bei mir bleiben. Möget Ihr alle die Tage so verbringen, wie es für euch am schönsten ist: lebendig oder still-besinnlich, allein oder in rudeln. ich wünsche mir ganz persönlich hie und da eine halbe stunde, um einfach nur dazusitzen und nichts zu tun und darüber zu staunen, was passiert. Fröhliche Weihnachten und ein frohes neues jahr, und allen Freunden unseres jahresfestfreundeskreises einen gelungenen Start ins neue jahr.

Götter, Gurus und Gestörte - Bericht über eine Lesung

Endlich habe ich mal Zeit, ausführlich zu bloggen. Und wenn so ein Moment kommt, frage ich mich immer: Ok, du wolltest über sooooo viele Sachen bloggen - was ist jetzt noch übrig? Das nimmst du dann!

Und eine Sache, die unbedint “übrig” ist, ist die Dreidichternacht im Darmstädter Schloßkeller am 27. November. Davon muß ich unbedingt erzählen.

Gefahren bin ich zu diesm Termin für den Ohrfunk, um nämlich die Lesung aus dem buch “Götter, Gurus und Gestörte” mitzuschneiden. Der Satyr-Verlag hatte uns erlaubt, die gesamte Lesung für unsere Sendungen zu verwenden, nachdem auch die beiden am Abend lesenden Herausgeber anselm Neft und Christian Bartel zugestimmt hatten. Auf persönliche Anfrage war auch der dritte Leser im Bunde, Florian Graf HH von Hinten, mit dem Mitschnitt einverstanden.

Das war schon mal so richtig was besonderes. Für mich zumindest war es etwas besonderes, so einen Erfolg auf der ganzen Linie zu haben, und gut gelaunt fuhr ich dann auch nach Darmstadt. Alles war vorbereitet: entsprechende Internet-Seiten durchstöbert, Fragen überlegt, der Baterie-Status des aufnahmegerätes überprüft… alles. … Nur daß mir dann im Zug auffiel, daß ich das Verbindungskabel zwischen meinem Aufnahmegerät und dem Mischpult im Schlloßkeller zu Hause liegen gelassen hatte… Ist schon komisch manchmal: mit meinem Liebsten habe ich geschimpft, als er das in seinem Webtagebuch erwähnte, und er nahm es raus, und jetzt gebe ich diesen Ausbund an Unprofessionalität selber zu. naja, mit ein wenig Abstand klappt so was einfach besser.

Also eine kleine Zitterpartie, ob die Aufnahme tatsächlich an so etwas scheitern würde… Noch blöder war dann, daß ich mit einem fremden handy (meines hatte den Geist aufgegeben) meinen Liebsten anrufen mußte, bei dem die Nummer des Technikers vom Schloßkeller wohlverwahrt in meinem Rechner schlummerte, damit er besagten Techniker dann wiedder anrufen konnte. Oje, oje! Aber ich werd noch ein Profi! :-)

In Frankfurt blieben mir dann von den ursprünglich 26 Umsteigeminuten nach einer zünftigen Verspätung noch genau sechs Minuten erhalten, die ich mit passioniertem Jogging verbrachte, wodurch ich den Zug tatsächlich noch bekam…

In Darmstadt gab es dann gleich noch eine Panne: auf meinem Zettel hatte gestanden: Schloßkeller Darmstadt, Hochschulstraße 1… Der Taxifahrer fragte gleich: “hochschulstraße oder Schloßkeller”. Hmmm…. Ja….. Gab es neben einem Schloßkeller, den er kannte, vielleicht noch ne Kneipe, die so hieß, denn der Schloßkeller befände sich, so mein chauffeur, nicht in der Hochschulstraße. Das habe aber da gestanden, beharrte ich als echte touristin - und so fuhren wir hin, und fanden die büroadresse des Schloßkellers vor… na super! also ab zum Keller in High Speed, denn ich war um kurz nach sieben dort mit Techniker boris verabredet.

Um etwa 20 nach war ich da, und fast von der ersten Minute an fiel alle Hektik von mir ab. Techniker boris Zech entpuppte sich als ausgesprochen liebenswürdiger und hilfsbereiter Zeitgenosse, keine Spur von jenen arroganten Technikern, die bezweifeln, ob man überhaupt ein kabel richtig einstecken kann. Einen kleinen Schock bekam ich, als ich merkte, wie nahe ich an seinem Plattenspieler agierte, den ich erst gar nicht bemerkte. Die ganze Zeit, sogar in den Pausen, hat Boris noch *echte* Platten aufgelegt! Ein *richtiger* DJ! Wie lang hab ich das schon nicht mehr erlebt! Stark war das.

ein “flugblatt”, so wurde mir dann mitgeteilt, wies den Beginn der Veranstaltung für etwa viertel vor neun aus, die Künstler, so stellte sich später heraus, gingen von PUnkt neun aus. Das tat so richtig gut! nichts gegen meine ARbeit mit dem Hörverlag, mit Luebbe oder anderen Verlagen. ich bin immer wieder sehr dankbar dafür, wie gut die Zusammenarbeit mit ihnen funktioniert, und der Ohrfunk profitiert sehr davon. Aber das hier war was völlig anderes. christian Bartel, einer der Herausgeber des buches “Götter, gurus und Gestörte”, der sich mir nur wenige Minuten nach meiner ankunft vorstelte, schien richtiggehend irritiert darüber, daß ich ihn siezte, und ich lernte sehr schnell, daß das unter den Leuten, bei denen ich jetzt war, nicht so sehr üblich war. Ich kann Euch sagen, daß mich das auf äußerst wohltuende Weise wieder in meine Unizeit zurückversetzte.

anselm und florian stellten sich mir dann auch noch vor, und ich disponierte mit Hilfe einiger angestellter des wunderschönen Schloßkellers dann auch noch um und plante eine erheblich spätere, vermutlich die letzte S-Bahn, die mich mit anschließender Verbindung nach Marburg noch bis Frankfurt bringen würde ein.

Und dann begann die Lesung. Nur die erste Hälfte befaßte sich mit den Texten aus dem buch, einem Satirewerk zum thema Religionen, das pünktlich zum Advent am Montag erschienen ist. Der Rest waren Texte aus eigenen Programmen der drei. Ich hab schon lange nicht mehr so gelacht! Das hat sich echt gelohnt! ich erfuhr, wie Gott die Welt endgültig verlassen und uns mit dem black Metal alleingelassen hat; die Vor- und Nachteile einer Jesuiten-Internats-Schule wurden einleuchtend vor mir aufgerollt, und dann gab’s da noch Details über die Begegnung mit einer hammelhexe. Außerdem lernte ich noch eine katzenhagazussa kennen, (Verzeihung! Tierkommunikatorin), erhielt einblicke in Werk und ausbildung eines Zivildienstleistenden und und und… Gedichte waren in der “Dreidichternacht” natürlich auch vertreten, ausschließlich welche von florian Graf HH von Hinten. ich hatte schnell fast vergessen, daß ich sozusagen beruflich da war.

Besonders amüsant fand ich zum Beispiel den Beitrag von christian Bartel, der uns erzählte, wie ein Zivi einen Tag das Leben eines behinderten Menschen ausprobiert, jedenfalls fing das ding so an, wurde dann aber recht turbulent.
Aber auch die Geschichte über die Padres, die als Erzieher in der jesuitenschule arbeiteten, machte mich sehr nachdenklich. Viele blinde, die wie ich in Internatsschulen gewesen sind, dürften da ganz andere und weniger zum lachen anregende Erfahrungen gemacht haben…
Ach, ich kann gar nicht sagen, was das beste war. Das beste für Euch ist, daß Ihr noch etliche Lesungen erleben könnt: zum Beispiel am 11. Dezember in Aachen, am 13. Dezember in Bonn und am 15. Dezember in Berlin. Genaueres findet Ihr sicher beim Satyr-Verlag, www.satyr-verlag.de, wenn mich nicht alles täuscht.

Das war echt klasse, und Techniker boris und Veranstalter Olli umsorgten mich, wie meine eigene Mutter es nicht besser gekonnt hätte. :-) Es war echt rührend In der pause fixte mich Olli dann noch zum Thema “Poetry Slams” an, um die ich mich jetzt wohl mal nehr kümmern werde.

ich habe mich lange schon nicht mehr so wohl bei einer Veranstaltung gefühlt. Das wollte ich unbedingt mal festhalten hier.

Nach hause gekommen bin ich dann auch gut, und auch dabei hab ich noch mehr nette Männer getroffen als im ganzen Jahr vorher… Zum beispiel einen Felix, der von einer Bühnenfassung von “einer flog über das Kuckucksnest” kam, das ich als buch und Film kenne. Er hat nebenbei auch eine Band in Gießen, die “Habitat Espressivo” heißt. Könnt Ihr euch ja auch mal angucken, wenn Ihr Lust habt. Die machen, wenn ich mich recht erinnere, eine Mischung aus Jazz und Hiphop.
Und dann war da noch eine lustige Gruppe, die marburgs Nachtleben unsicher machen wollte, dabei waren die mit sich selber schon lustig genug…

bleibt mir nur, Euch noch einen Hörtipp für den Ohrfunk mitzugeben: die gesamte Lesung “Götter, gurus und Gestörte” von der “Dreidichternacht” am 27. November gibt es am Sonntag, dem 06. Dezember, zwischen 16:05 und 18:00 Uhr bei www.ohrfunk.de noch einmal zu hören. Ich freu mich auf Euch und Sie!

Juhuuuuh! Ich schreibe wieder!

Lange herrschte Funkstille in meinem Kopf, was das schreiben betrifft, obwohl ich etliche angefangene Geschichten, meist erotische, aber auch 2 Romane auf Halde liegen habe, die schon sehr lang sind, aber einfach nicht weitergehen wollen. Ich schreibe schon, seit ich denken kann, und ich glaube auch nicht schlecht, aber immer machte das Entwerfen von Ideen und Personen mehr Freude als das letztliche schreiben, und meistens blieben die Sachen dann liegen. ich habe mir schon lange über die Gründe Gedanken gemacht. Bin ich einfach mehr eine Ideen-Zulieferin als eine Schriftstellerin? Abfinden wollte ich mich damit nie!

Und jetzt hat mich auf einmal eine Idee erwischt wie frischer Schnee, zu einem Thema, über das zu schreiben ich von allein nie auf die Idee gekommen wäre. Aber plötzlich war es da: Das Konzept, die Personen und ein klarer Faden, der mit mir und meinem eigenen Leben auch was zu tun hat und mich vom reinen Fabulieren abhält. Das ist wichtig, habe ich in den letzten jahren festgestellt. Reines Erfinden ohne persönlichen Bezug wirkt auch auf mich selbst sehr schnell unglaubwürdig. als ich das erkannte, versuchte ich es eine Weile mit wirklich autobiographischen texten. Das Ergebnis war, daß ich sehr schnell in Zweifel kam, ob das für irgendjemanden interessant genug sein könnte. Also wurde auch das wieder verworfen.

“Sich selbst erfinden” war glaube ich ein Schlüsselwort von John Irving, daß mich veranlaßte, den Gedanken ans Schreiben und den Wunsch danach nie mehr loszulassen. Jeder hat ein Recht auf seine Träume, auf sein eigenes Bild von sich. Warum also nicht auch mal drüber schreiben? Oder über sein Alter Ego, das all die eigenen Unzulänglichkeiten nicht in sich trägt!Das hieß aber, sich von dem Plan zu verabschieden, grundsätzlich nur immer mit dem wunsch nach Veröffentlichung zu schreiben. Geduld war also gefragt, etwas, über das ich leider nicht gerade im Übermaß verfüge. Nichts, was ich geschrieben habe, war umsonst. ich habe aus allem gelernt. Das einzusehen, war eine schwierige Lektion. Aber jetzt, wo ich es locker angehe, kommt plötzlich buchstäblich aus heiterem HImmel diese Idee, und ich habe heute das gesamte erste kapitel schon geschrieben, und vieles, was als nächstes kommt, steht auch schon fest. Lasse ich mich von mir selbst überraschen!

Eine weitere wichtige Voraussetzung für dieses Projekt ist allerdings auch, daß ich die Prioritäten in meinem Leben überdenke: wenn ich mal ernsthaft damit weitermachen oder richtig anfangen will, dann muß ich mir die Zeit und die Muße einräumen. Werde gleich mal anfangen, das zu planen.

Und dann habe ich noch eine ganz persönliche marotte von mir festgestellt: ich kann besser und druckfreier mit dem schreiben beginnen, wenn ich möglichst wenigen Menschen erzähle, worum es gehen wird. ich habe festgestellt, daß ich erst ein paar Kapitel geschrieben haben muß, bevor ich damit rausrücke. HIngegen ist es aber wichtig, überhaupt mitzuteilen, daß ich schreibe und zu merken, daß es jemanden interessiert. Wenn es so weit ist, werde ich mich über TestleserInnen riesig freuen.

Sagen kann ich schon, daß das buch - denn es wird eines werden - “zwischen weiß und gold” heißen wird. ich freue mich, daß es endlich wieder llosgeht! Erfinde ich also menschen, situationen, Geschichten - und mich selbst. Danke, John Irving, für diesen und noch viele andere weitere sinnvolle Tipps zum schreiben, versammelt in seinem buch “die imaginäre Freundin - vom Ringen und vom schreiben”, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Und Dank auch an kai Meyer, der in seinen Twitterbeiträgen ebenfalls manchmal nützliches fallen läßt, zum Beispiel, daß man sich für einzelne Teile eines Buches, in denen es hoch her geht und man die Fäden zusammenhalten muß, sinnvollerweise ein ausführliches Teil-Exposé schreibt. vielen dank auch für diesen Tipp.

Laßt es euch gut gehen und Euch Eure Träume nicht nehmen!

Die “Bücher in meinem Leben” - über die Messen, ein Audible-Abo, Kritiker und Kritiken und schönes Triviales

Donnerwetter! Manchmal ist es aber auch wirklich schlimm! So ewig habe ich mir jetzt schon wieder vorgenommen zu bloggen, und dauernd kommt was dazwischen. Und dann denke ich auch immer, daß ich ja gar nicht die Riesenbotschaft zu verbreiten habe und dem ganzen Müll, der so durchs Netz wandert, nicht noch welchen hinzufügen muß… Aber heute hab ich doch mal wieder Lust, und es geht, wie schon gesagt, in der Hauptsache um die “Bücher in meinem Leben”. Der mann in meinem Leben pennt grade. Wir haben derzeit einen dermaßen idiotischen Schlafrhythmus, daß wir fast schon abwechselnd schlafen…

Aber jetzt zu den Büchern:

Eigentlich hatte ich ja direkt von der Messe schreiben wollen, die jetzt natürlich schon weit weg ist. Aber was ist denn so hängen geblieben? Ich denke manchmal, daß das, was man auch nach einem Monat noch weiß, das im Grunde wirklich wichtige ist…

Ich war natürlich in der hauptsache mal wieder für www.ohrfunk.de unterwegs, und da speziell im Zusammenhang mit HÖrbüchern. Es ist total wichtig, sich als Blinde mit Assistenz, aber vermutlich auch so, ganz bestimmte Dinge vorzunehmen auf der Messe, sonst geht man da nämlich verloren… Schade fand ich im Vergleich zum letzten Jahr, daß bei dem großen Sammelstand der Hörbücher an den einzelnen kleineren Verlagsständen sehr oft keiner anzutreffen war. Die Hörbücher wurden - ob aus Personalmangel oder aus welchen Gründen auch immer - bei den großen Ständen der einzelnen Verlage mit abgefertigt, also “Lido” am STand von Eichborn und so weiter. Das macht es für Menschen, die konkret nach Hörbüchern suchen, etwas schwieriger. Zwar konnte man sich an den Ministänden das angebot angucken, aber mit Beratung war es dann schon nichts mehr. Da könnte ruhig mal ein wenig Personal investiert werden, finde ich!

Ansonsten habe ich für meinen Geschmack sehr schöne und intelligente Interviews führen dürfen, die zwar im Rahmen unserer LIteraturecke bei www.ohrfunk.de schon ausgestrahlt wurden, abr sicher noch auf unserem OHrfunk-Podcast zu finden sind. Am besten haben mir ganz persönlich die INts mit dem Supposé-Verlag und mit “Titania Medien” gefallen. Letzteres vor allem deswegen, weil es auch mal um covergestaltung und so ging, ein Thema, bei dem sich sehende Menschen oft sehr schwer tun, wenn sie von Blinden danach gefragt werden. Das wurde zwar nur angerissen, klappte in diesem INterview aber echt gut.

ansonsten war mein Tag auf der buchmesse der letzte in diesem Jahr, an dem ich mit meinem kleinen Frühstück draußen im Freien saß. Es war herrlich, die Menschen an mir vorbeiströmen zu hören, die in so vielen Sprachen redeten, daß einem ganz schwindelig werden konnte. Ich werde nur nie verstehen, warum so viele Leute auf einer Messe mit Rollenkoffern oder sonstigem schweren Gepäck unterwegs sind. Uff! sind die Schließfächer an Bahnhof und Flughafen denn echt so knapp, oder reisen die wirklich alle so spät an? Mich würde das ja nerven!

Eine ganz schöne Veranstaltung war dann die Diskussion zum Thema “haptisches Hörbuch” versus Hörbuchangebote im Download. In der Beschreibung wurde doch glatt die Frage aufgeworfen, ob die downloadangebote letztlich das konventionelle Hörbuch “kanibalisieren”… Das versprach viel, kontrovers wurde es dann aber doch gar nicht so. Positiv war aber in jedem Fall, mitzubekommen, daß verschiedene Verlage am gleichen Strang zogen bei der Frage, wie man das HÖrbuch weiter bekannt und populär machen kann. Wobei das mit dem populär ja immer so eine Sache ist: eine andere Veranstaltung ging um Editionen und ihren Sinn und Zweck, und da kann einem schon Angst und Bange werden, wenn man mitbekommt, wie sehr da zum Teil der Popularität hinterhergelaufen wird. da wird lieber der gleiche Bestseller wieder und wieder in anderen Editionen gekürzt herausgebracht, anstatt mal ein Risiko einzugehen. Und am meisten ärgert mich, mit welcher Selbstverständlichkeit die Herausgeber solcher Editionen behaupten, der Hörer / die Hörerin wolle es genau so. Ich glaube eher, daß wir als Leserinnen und Leser auf dieses Schmalspurfutter hin dressiert werden sollen. Nun. nicht mit mir jedenfalls.

Einige Zusammenarbeiten mit Verlagen sind auch wieder herausgekommen bei der diesjährigen Messe: ich wurde in einige Verteiler aufgenommen, in denen ich erfahren kann, was es so neues gibt, ich habe freundlicherweise schon etliche Rezensionsexemplare für unsere Literaturecke zugesandt bekommen und und und…

Aber eines ist mir auch ganz deutlich klargeworden, nämlich, daß ich auf Dauer ganz schön ins Hintertreffen geraten werde, wenn ich mich weiterhin nicht intensiv genug mit “social Media”, mit Onleihe und Kindle und Co befasse, wenn ich nicht weiß, wie man die Gewinspielseiten der unterschiedlichsten Hörspiel- und Hörbuchanbieter bedient. Ich hätte gern auch schon mal ein HÖrbuch gewonnen oder so, oder auch einen kostenlosen Mp3-Player, aber die Zeit, die ich als absolute Netzlaie mit einem unzureichenden Screenreader auf solchen Seiten verbringe, kann ich sinnvoller dazu verwenden, ein bereits vorhandenes Hörbuch endlich mal zu lesen. Und überall gibt es dann Seiten, wo es, wenn man sich erst mal durchgesucht hat, dann am entscheidenden Punkt für meine Software nicht weitergeht. Das ist echt hochgradig frustrierend! Aber wie kann ich aktuell über solche Gewinnspiele und so auf dem Sender informieren, wenn mir absolut die Geduld fehlt, Stunden damit zuzubringen, deren Seiten auf Barrierefreiheit zu überprüfen. Da liegen definitiv nicht meine Stärken. Lernen kann man alles, heißt es. Hm… will ich das lernen? Ich weiß es noch nicht.

Was ich auf jeden Fall gern lernen möchte ist, wie man sich ansonsten aktiv und unter einsatz eben der erwähnten eigenen Stärken vernetzt. Einmal geknüpfte KOntakte vernünftig verwalten und auch halten, wichtige Twittermeldungen von unwichtigen unterscheiden, mutig auch mal bei was zugreifen, womit man sich noch nicht hundertprozentig auskennt - das sind in diesem Zusammenhang wohl die aufgaben der Stunde. Wer das liest und mir nützliche Tipps geben kann und will, ist herzlich dazu eingeladen! würde mich echt freuen!

War’s das zur Messe? ich denke erstmal. Schön war’s auf jeden Fall. Nächstes mal versuche ich es mal mit Leipzig, wenn ich dort eine Assistenz kriege. Aber ich habe ja noch Zeit.

Was lese ich denn grade so? Privat in der hauptsache zwei wundervolle Bücher, die ich mir bei www.audible.de heruntergeladen habe. Mein Liebster hat mir nämlich ein Abo geschenkt. Ich hab das ja dauernd hinausgezögert, weil ich dachte: ach, im nächsten Monat ist dafür auch noch Zeit, das Geld brauchen wir für dringenderes. Aber anscheinend habe ich doch so einen treuen Hundeblick gehabt bzw. soooooo sehnsüchtig auf der Seite gestöbert und Männchen gemacht, daß er wahlweise ein Einsehen hatte oder keine Nerven mehr :-)
Und jetzt habe ich also dieses Abo, und - was für ein gutes Omen - ich fand noch ein wahrscheinlich letztes Buch von John Irving mit ausnahme des neuen -, das ich noch nicht kannte. Und so habe ich mir in englisch “A Son Of The Circus” heruntergeladen und genieße noch immer jede einzelne Minute! Hoffentlich kommen von den englischen noch ein paar andere nach. Vielleicht gibt es ja “die wilde GEschichte vom Wassertrinker” in Englisch? Das fänd ich genial!

Leider kann ich das Buch aber derzeit nur in Etappen lesen. Dank des bereits oben erwähnten und geschmähten unzureichenden Screenreaders (oder aus sonstigen, mir unverständlichen technischen Gründen) haben wir den Manager von Audible noch nicht zum laufen gebracht und ich lese derzeit über meinen Mediaplayer, und der ist bei diesem Format nicht bereit, mir per Tasten das rück- oder Vorspulen oder sonst irgendwas zu erlauben. Gott sei Dank setzt er wenigstens brav seine Lesezeichen. Aber ich lese lieber kleinere englische Etappen und verstehe sie dann auch, wenn ich nicht zurückspulen kann.

Und dann ist da noch der erste Band von “Senatus populus que Romanus” von John Maddox Roberts. (hm, heißt er wirklich John? Ich glaub schon. Für einen Römer-Freak wie mich ein Muß. Der Krimi ist auch ganz spannend, aber ich genieße vor allem die farbigen Alltagsbeschreibungen der Zeit um 70 v. Chr. Das buch ist ungekürzt, und die nächsten Bände sind schon in ARbeit bzw., wie ich glaube, sogar schon online verfügbar. Lese ich grad oft Nachts, wenn ich nicht schlafen kann. Vielleicht ist das aber auch der falsche Weg, weil es mich erst recht wach hält :-)

Und für den Sender? Zur Zeit sind 2 Hörbücher parallel in der mache: erstens Joy fieldings “im KOma”, vor allem deshalb, weil es vor ein oder zwei Wochen schon zum zweiten mal in die Bestsellerliste hochgeklettert ist. außerdem finde ich es wirklich gut und spannend und höre Hansi Jochmann gern lesen. Außerdem arbeite ich grade mit Freude an einer Rezension zu “der heilige Eddy” von Jakob Arjouni. Bisher mochte ich von dem eigentlich nichts so richtig, aber dieses Buch finde ich gut.

Und am Freitag darf ich um 20:00 Uhr im Schloßkeller in Darmstadt die Vorablesung des Buches “Götter, Gurus und Gestörte” aus dem Satyr-Verlag mitschneiden und eine Sendung dazu bauen, das am 01. Dezember erscheinen wird, worauf ich mich schon riesig freue. Und zum Thema Religion wartet dann auch noch “Die Hütte” von William paul Young auf mich, zu der ich nun schon 2 sehr unterschiedliche Meinungen gehört habe: einer ist völlig begeistert (der hat mir das Buch auch vorgeschlagen), ein anderer “mußte schon kotzen beim Anblick des Einbandes”, so jedenfalls sinngemäß. Ich bin mal gespannt, wie ich es finden werde.

Solchen aussagen wie der grade zitierten begegne ich im Moment oft, vor allem bei Twitter, und das regt mich auf. Aber wenn ich mich da dauerhaft rumtreiben will, werde ich mich daran gewöhnen müssen. Vernichtende Ein-Satz-Kritiken sind halt modern. Auf Nachfrage bekam ich im Falle der “Hütte” dann aber doch noch eine etwas detailliertere antwort: der Schreiber bevorzuge eher bücher zum selber denken als kitschige Erbauungsliteratur. Gut, damit kann ich was anfangen.

Ärgerlich macht mich so was vor allem auch eher bei den sog. Fachleuten. Da lese ich vor kurzem auf einem Download-Portal zum Buch “Gnadenfrist”, das ich übrigens sehr empfehlen kann, über Sprecher Christian Berkel sinngemäß, er lese das buch in gewohnt humorvoller manier. Nun mag ich selber Christian Berkel sehr, aber wenn man eines über ihn gewiß nicht sagen kann, ist es, daß er besonders humorvoll liest. Da frage ich mich ganz unabhängig davon, daß man vielleicht manche Sachen nicht ganz gleich wahrnimmt, ob der Kritiker das Buch überhaupt gehört hat, denn der Begriff Humor paßt weder, wie gesagt, zu Berkel, noch zum buch…

Ein anderes Beispiel ist ein Artikel, der heute online im Tagesspiegel erschien. Er wurde von Kurt Sagazz geschrieben und geht darum, daß der Trend bei den HörbuchhörerInnen dahin geht, ungekürzte Versionen von Büchern den gekürzten vorzuziehen. Klasse, das jemand so was schreibt, aber ich finde, jemand, der für den Tagesspiegel schreibt, könnte auch korrekt sein. Ich weiß, manchmal bin ich eine “Korinthenkackerin”, aber es ärgert mich echt maßlos, wie viele Leute Geld für zum Teil hingehuschte Arbeit kriegen. Nun kenne ich Herrn Sagazz ja ansonsten gar nicht und will auch gar nichts über ihn persönlich sagen, aber es ist schon frustrierend, hier auf dem Rechner rund 70 akustische buchrezensionen liegen zu haben, die mit lesen, rezensieren, auflesen und schneiden etliche Stunden Arbeit kosteten und die dann einmal ausgestrahlt und wenn es hoch kommt noch einmal in der Wiederholung gesendet werden. Gut, im Podcast gibt es sie noch. Und dafür gibt es keinen Eurocent, und hin und wieder muß man sich noch sagen lassen, daß man als ALG-II-Empfängerin sich doch nur durchschnorrt… Aber das ist ein anderes Thema und gehört gar nicht hierher.

Jedenfalls ist Detlef Biersted meines Wissens nicht, wie im Artikel behauptet, der Synchronsprecher von Tom hanks. Nun kann ich mich da irren, aber sowohl bei “Forest Gump” als auch bei “Philadelphia” und “Apollo 13″ wird der von Arne Elsholz gesprochen. Audible können solche Patzer vom Tagesspiegel natürlich egal sein. die werden sich, und zu Recht, freuen, daß jemand ihre produktionen lobt. Aber wäre das nicht noch besser, wenn jemand das kompetent täte? Und die kennen auch Arne Elsholz natürlich gut, wo er doch bei vielen ihrer deutschen Hörbücher das Intro spricht. Und wenn ich richtig informiert bin, erscheint “Limit” von Frank Schätzing auf 22 Cds. Wenn ich persönlich eine Zahl nicht ganz genau weiß, schreibe ich etwa “rund 20″ oder so. Aber nach Möglichkeit nichts falsches.

Ich weiß, ich weiß! Für sich genommen sind das alles natürlich nur Kleinigkeiten, aber es frustet eben schon, wenn man dauernd solche Schnitzer und Ein-Satz- und Pseudokritiken von Fachleuten liest, während man selber, ohne das Fach studiert zu haben, sich bemüht, differenzierte Arbeit zu leisten. habt Nachsicht! Das mußte einfach mal raus.

So, jetzt hab ich genug gemeckert und hoffe, daß Sie, liebe Leserin, lieber Leser, diesen Ausführungen in der ungekürzten Version beigewohnt und nicht vorher gelangweilt aufgegeben haben :-) ich werd mir jetzt was schönes zum Futtern machen und dabei “im Koma” weiterlesen, man beachte die Redezeichen… :-)

Vielleicht hinterläßt ja der eine oder die andere hier ein persönliches Lesezeichen? Ich würde mich freuen. So long bis dann!

Hurrah! Bald wieder Frankfurter buchmesse!

Hurrah! Bald ist wieder buchmesse in Frankfurt!
ich bin schon wieder ganz aufgeregt und fange so langsam mit der Organisation an, damit es dort für mich reibungslos zugehen kann, was gar nicht so einfach ist!
Meine zweite ist es jetzt.

Zu allererst gilt es, meine Assistentin vom letzten jahr zu fragen, ob sie wieder kann, denn als Blinde kann man es absolut vergessen, allein über die Buchmesse zu schlendern, selbst, wenn man noch so genau weiß, wo man hin will. Mindestens 16 Hallen waren es glaube ich im letzten jahr, und allein in einer halle sind… Ach, ich weiß nicht wie viele Stände.

Assistenz brauche ich also, um zur richtigen Zeit an den richtigen Orten zu sein und am Weg liegendes spannendes nicht zu verpassen.

Und dann natürlich ein für mich lesbares Programm. Mal sehen, ob man überhaupt schon ein gültiges kriegen kann.

ich folge jetzt mit “Twitter” einigen leuten, die über die buchmesse Auskünfte geben und hoffe, dadurch auf gute Ideen zu kommen. Aber ich habe beschlossen, mich wie im letzten Jahr vorwiegend den Hörbüchern zu widmen, mit ausnahmen wie autorInnenlesungen vielleicht. mal sehen, ob sich für den Ohrfunk wieder nette Beiträge und Interviews machen lassen! wäre doch klasse! Im letzten jahr konnte ich immerhin Ulrich Wickert und Anna Talbach interviewen und mit allerhand Verlagsangestellten sprechen. Aber zum Thema Hörbuch habe ich noch nicht so viele Infos gefunden. mal sehen, was dieses jahr auf mich zukommt. s wird bestimmt wieder spannend, für mich und hoffentlich auch für Euch, denn ich werde sicher hier berichten.

ich wünschte, ich wäre mittlerweile etwas routinierter bei der Kontaktaufnahme mit Verlagen. Letztes Jahr hatte ich ja gehofft, dauerhafte Beziehungen knüpfen zu können, die dann meine Literaturecken beim Ohrfunk noch etwas farbiger gestalten könnten. Derzeit greife ich ja meist auf Material zurück, was sich bei mir findet, und das ist oft älteren Datums, wenn auch ganz bestimmt nicht schlechter. Nur eben oft nicht wirklich aktuell. Mein netz muß sich also vergrößern! Das ist mein erklärtes Ziel! Aber ich wünschte, ich hätte mehr Erfahrung damit, wie man so etwas macht oder jemanden, der mich da anleiten könnte. hat wer von Euch tipps? Die sind auf jeden Fall willkommen!

ansonsten werde ich wie immer mein bestes geben und fühle mich wie kurz vor Weihnachten! buchmesse!!!

Nachdenkliches zum ersten europäischen Terroropferkongreß

Gestern las ich einen Artikel über den ersten europäischen Terroropferkongreß, der diese Woche in paris stattgefunden hat. Ehrlich gesagt hatte ich bisher überhaupt nicht gewußt, daß es so etwas gibt. Mit kleineren Selbsthilfegruppen hatte ich gerechnet - das ja -, aber daß es regelrecht einen Kongreß geben würde, war mir nicht klar.
Die Opfer der Terrorakte, die sich dort trafen, kamen aus allen möglichen Ländern, und es ging auch gar nicht nur um 9-11, wie man vielleicht heutzutage vermuten könnte. Überlebende von bombenattentaten im nahen Osten kamen da zu wort, genau wie Menschen, die durch Anschläge der IRA oder der ETA angehörige verloren hatten. ich finde es toll, daß jemand das organisiert hat, daß all diese Menschen sich haben treffen und austauschen können.

Nachdenklich gemacht haben mich die zum Teil sehr unterschiedlichen Umgangsweisen mit den anschlägen. Immerhin war allen TeilnehmerInnen natürlich gleich, daß sie darüber reden wollten, aber das schien es zum Teil mit der Gemeinsamkeit auch schon wieder gewesen zu sein. Die Schlüsse, die Menschen aus solchen Verlusten ziehen, könnten unterschiedlicher kaum sein: eine Frau, die ihre tochter bei einem bombenattentat der IRA verloren hat, hält seit Jahren Kontakt zu dieser Organisation, führt immer wieder Gespräche, um verstehen zu können, warum sie ihren Verlust erlitten hat. sie sagt, sie habe ihren Frieden mit diesen Menschen gemacht, nur so habe sie ihren eigenen Frieden finden können. Für einen Menschen wie mich, der immer das Gute im Menschen sehen und fördern will, klingt das wunderbar, und ich hege unermeßliche Bewunderung für sie, daß sie es scheinbar geschafft hat. Aber ist das nicht blauäugig von mir, die ich niemals so etwas erlebt habe? Ich tue mich schon mit einer extrem unangenehmen Beziehung schwer, die ich mal hatte, mich so zu verhalten, wenn schon nicht zu vergeben, dann vielleicht wenigstens zu vergessen und ein wenig gleichgültigkeit an den Tag zu legen. Mittlerweile ist es mir gelungen, denke ich, aber es hat weit über 10 Jahre gedauert. Wie schrecklich und beinahe unmöglich jedoch muß so etwas sein, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat? Ist das überhaupt ein Weg, der mehr als nur ein par Menschen offen steht, und wäre ich “Gutmensch” selber in der Lage, mich an dieses Prinzip zu halten? Andererseits ist es wohl mehr als ein Prinzip. Loslassen zu können, scheint, wie ich schon oft gelesen habe, eines der wenigen Mittel zu sein, inneren Frieden zu finden.

Eine andere Teilnehmerin geht einen völlig entgegengesetzten Weg: Redet mit den Menschen, nicht nur hier, sondern mit dem Bäcker, dem Nachbarn, mit jedem, den ihr trefft! Sagt ihnen, daß es *jedem* passieren kann, daß unsere Welt heute Terror ist, daß niemand in ihr mehr sicher ist… so sagte sie sinngemäß…

Es liegt mir fern, eine solche einstellung zu verurteilen oder auch nur als ihre persönliche einstellung zu bewerten. Wer bin ich denn? ich habe keine ahnung, was es auslösen kann, auf solche Art und Weise einen geliebten Menschen zu verlieren. gott sei Dank! Wer weiß, was ihr diese Einstellung in ihrem Leben nützt. Vielleicht hindert sie sie daran, verrückt zu werden.

Dennoch bin ich froh, daß es Menschen gibt, die ähnliches erlebt haben und nicht so reagieren. Ich glaube, daß eine Gesellschaft, in der sich in seinem innersten niemand mehr sicher fühlt, dazu führt, daß sich niemand mehr sicher fühlen kann. Was nutzt es, wenn nicht nur die Opfer solcher Attentate nicht mehr ruhig schlafen, sondern auch alle anderen? Ich kann den Wunsch zu reden verstehen. Sehr gut sogar. Aber wem soll es nützen, wenn alle menschen angstvoll herumlaufen und ständig mit dem schlimmsten rechnen? Ich frage mich, was für Gefühle in einem Menschen toben, der alle Weltvor dem schlimmsten warnen will. Ist die Triebfeder eines solchen Verhaltens, daß er hofft, den Terror vermindern zu können, indem er die Wachsamkeit seiner MitbürgerINnen auf so krasse Art einfordert? Glaubt er, daß wachsame bürgerINnen in dieser Beziehung wehrhafter sein können, weil sie auf das schlimmste gefaßt sind? Oder liegt dem auch manchmal eine gewisse bitterkeit über die Welt zu grunde, etwa nach dem Motto: Warum sollt Ihr Euch in eurer heilen Welt ausruhen können, wo ich es nicht mehr kann? Warum soll ich mit meinem Schmerz allein sein? wie dem auch immer sei: ich fände eine solche Entwicklung in der Gesellschaft gefährlich, wo jeder und jede nur noch mißtrauisch und feindselig ist. Der Terror bleibt größtenteils unberechenbar, auch wenn uns die Prediger der inneren Sicherheit etwas anderes weismachen wollen. Es ist nicht möglich, alles und alle im Blick und unter Kontrolle zu haben, und wünschenswert ist es doch auch nicht, oder? Und auch diese Menschen selbst, die sich aufgrund schwerer Schicksalsschläge vielleicht ungewöhnlich verhalten, sich in der “normalen” Welt nicht behaupten können, weil sie vielleicht trinken, Angst vor herrenlos herumstehenden Koffern haben, keine großen menschenmengen ertragen - auch diese Menschen selbst werden in einer Gesellschaft, in der jeder nur noch auf seinen eigenen Schutz bedacht ist, keine Hilfe, keine Gesprächspartner mehr finden, denn sie werden in ihrer Andersartigkeit bedrohlich sein und gemieden werden.

So komme ich glaube ich doch zu dem Schluß, daß die Lösung der ersten Frau, der schwere Weg zum inneren Frieden, mir im HInblick auf unsere Gesellschaft als der bessere erscheint. Aber wie gesagt: ich würde niemanden verurteilen, der einen anderen geht, und ich weiß nicht, was ich selbst täte. Ich kann nur hoffen, daß die Terroristen ihr Ziel nicht doch noch insofern bei einigen der Opfer erreichen, daß diese die angst, die die Extremisten säen wollen, in die Welt tragen und ihnen so doch noch reiche Ernte bescheren. Denn in angstvollen Situationen lösen sich KOnflikte nicht, und wo Konflikte schwelen, läßt sich Terror gut fortsetzen. Ich hoffe, daß ein Brechen der Sprachlosigkeit, ein sich-austauschen von betroffenen auf einem solchen Kongreß, zum frieden für alle Menschen beitragen kann - und zum frieden der betroffenen natürlich ganz besonders. Und für mich selbst wünsche ich mir, daß ich immer ein offenes ohr haben werde, wann immer schreckliche Geschichten von Menschen an mich herangetragen werden, immer aber auch die nötige Distanz, um wirklichen Trost spenden zu können und nicht selbst im chaos ihrer Gefühle unterzugehen. Und das kann manchmal ganz schön schwierig sein.

ich hoffe, ich werde in nächster Zeit mal wieder Gelegenheit haben, etwas schönes und freundliches zu posten, aber die dinge sind, wie sie sind. Ich wünsch Euch eine schöne Zeit.

Nachruf für einen mutigen

Im Grunde hatte ich vorgehabt, heute Abend irgend etwas lustiges hier in mein Blog zu schreiben, etwa eine schon seit längerem geplante, fast schon satirisch anmutende Beschreibung einiger Us-amirikanischer Gepflogenheiten oder eine sehr subjektiv gefärbte Zusammenfassung der gestrigen Farce, die sich da TV-Duell nannte. Doch leider kam mir etwas dazwischen, das mir vorübergehend jeden Humor geraubt hat. Kennt ir das auch, daß Ihr plötzlich von Sachen hört und denkt, hier müßte die Welt doch eigentlich genau an dieser Stelle stehengeblieben sein, damit es nicht passieren konnte? Und doch ist es passiert.

In diesem Fall rede ich von dem fürchterlichen todesfall in einem S-Bahnhof in München, wo zwei junge Männer einen Geschäftsmann, der einigen Kindern, die von diesen Herren bedroht worden waren, zu hilfe kommen wollte, brutal totgeschlagen und totgetreten haben. Das ist so ein MOment, wo ich aus dem Gleichgewicht gerate, aus der Bahn geworfen werde. da Muß auch jemand wie ich, der ständig das Gute im Menschen sucht, plötzlich innehalten und kapitulieren, zugeben, daß es manchmal einfach soooo chancenlos ist. Kein Hahn kräht danach, die Welt bleibt nicht stehen, weil ein guter mensch vor der Gewalt kapitulieren muß und sein Leben verliert. Aber meine Welt steht gerade, und ich bin traurig und nutze diesen stillen Moment, um mich vor diesem Mut zu verbeugen, von dem ich nur hoffen kann. daß auch ich ihn gehabt hätte. Aber dann wäre es meine Beerdigung, die in einigen Tagen stattfinden würde, denn ich nehme nicht an, daß die vor Gewalt gegen eine blinde Frau halt gemacht hätten. Wer auch immer er war und was er sonst in seinem Leben gemacht oder unterlassen hat: mögen er und seine angehörigen Frieden finden. Und mögen die angehörigen Trost darin finden, daß sein Verhalten jemandem helfen konnte. Wenn das auch allzu bitter ist.

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